/Auvergne-Rhône-Alpes Region: Investitionsstandort für Medizintechnik und die pharmazeutische Industrie

Auvergne-Rhône-Alpes (AURA) ist eine vielseitige Region im Südosten Frankreichs. Die wirtschaftlich reiche und moderne Region ist die zweitstärkste Wirtschaftsregion Frankreichs nach Ile-de-France, die populärste Industrieregion Frankreichs. Darüber hinaus ist die AURA Region der achtgrößte europäische Raum in Bezug auf Bevölkerung und Wirtschaft.

Trotz der Pandemie verzeichnete die Region 2021 einen Zuwachs von 20% an ausländischen Direktinvestitionen und ist der Standort mit dem zweitgrößten Volumen an Investitionen in allen Sektoren. Auch im Bereich der Startup Finanzierung und von Venture Capital liegt die AURA Region auf dem zweiten Platz: 143,2 Millionen € stellte die Regierung u.a. für chirurgische Robotik, Ultraschall Therapien und eine Plattform für Pflegekräfte bereit. Allein im Großraum Lyon gab es 62 Neuansiedlungen – 26 davon durch ausländische Unternehmen.

Einige der oben genannten ausländischen Unternehmen, die sich 2021 in AURA ansiedelten, sind u.a.: Osteon Medical in Lyon (Australien, Dentaltechnik/Implantate), Medisieve mit einer französischen Tochtergesellschaft nahe Lyon (Großbritannien, Atemschutzprodukte) sowie Bionet mit einem R&D Zentrum (Thailand, Impfstoffhersteller).

Laut einer Studie der Eurogroup Consulting ist Lyon insgesamt die attraktivste Metropole Frankreichs mit der qualitativ besten Infrastruktur. Zudem ist sie führend bei Innovations- und Forschungskapazitäten. „Entscheidende Faktoren für FDIs sind auch die im Vergleich zur Ile-de-France deutlich niedrigeren Immobilien-, Logistik- und Energiepreise.“

Insgesamt sind 469 Medizintechnik-Unternehmen und 251 Pharmaunternehmen in der Region ansässig (Stand 2021). Im Pharmabereich sind ca. 7% Großkonzerne wie Sanofi in der Region vertreten während 93% aus innovativen Startups und KMUs bestehen (Stand 10/2021). Ähnlich sieht es in der Medizintechnik aus: 81% der Unternehmen sind KMUs während ca. 19% große Konzerne und größere Mittelständler ausmacht.

Der Großteil der ansässigen pharmazeutischen Unternehmen konzentrieren sich auf Design und Herstellung von Molekülen, sowie Dienstleistungen, die sich auf die Onkologie, Infektiologie/Immunologie und Dermatologie spezialisieren. Der Medtech Bereich fokussiert sich verstärkt auf die Bereiche e-Health, medizinische Produkte– und Diagnosemittel, z.B. In-vitro Diagnostik. Weitere Fokusbereiche sind u.a. die Orthopädie, Zahntechnik/Dental, Kardiologie und Neurologie.

Besonders hervorzuheben ist, dass die gesamte Lieferkette für Arzneimittel lokal nutzbar ist, inklusive Großhandel, Verpackung, Speziallagerung, Internationaler Vertrieb etc.

Die AURA Region ist dafür bekannt, eines der weltbesten Ökosysteme für klinische Studien an Krankenhäusern zu besitzen. Hierzu zählen 4 Universitätskliniken, 22.000 Fachangestellte, 14 Einrichtungen, 2 Krebszentren sowie 4 klinische Untersuchungszentren. Des Weiteren haben sich 3 Universitäten besonders auf den Gesundheitssektor spezialisiert: Lyon (Bio-Health), Grenoble (Health & Technologies) sowie Auvergne (Health Mobility). Ca. 50% der Angestellten aus dem Gesundheitsbereich sind in der Pharmabranche beschäftigt und auch eine hohe Anzahl an Frauen ist bei Fachangestellten festzustellen. Zusätzlich befinden sich dort ebenfalls zahlreiche wichtige Gesundheitsorganisationen Frankreichs wie z.B.: CEA, INSERM, CNRS, INRIA, Vetagroup, EMBL, CRMN, ESRF, iARC, le CETIM und l’académie OMS.

Lyonbiopôle ist das Zentrum für Wettbewerbsfähigkeit im Gesundheitsbereich und will Dienstleistungen für Patienten und innovative Unternehmen sowie Innovationsprojekte stärken, um für KMUs im Biotech, Medtech, Digital Healthcare und Gesundheitsbereich Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Hierfür gründet Lyonbiopôle seinen eigenen Accelerator, um Unternehmen vor allem bei der Finanzierung zu helfen. Es wurde 2021 ein Cluster der Onkologie im Rahmen des strategischen Rates für die Gesundheitsindustrien geschaffen und 2022 wird eines für Immuninfektiologie in Lyon geplant.

Auch das Thema Gesundheit von Mensch und Tier rückte seit der Pandemie mehr und mehr in den Fokus und schenkt seither dem One-Health-Ansatz eine große Bedeutung – so auch Boehringer Ingelheim Frankreichs Präsident Erick Lelouche. Der deutsche Konzern gab bekannt, dass er zusätzlich zu den bereits für 2018 angekündigten Investitionen von 200 Millionen €, weitere 100 Millionen € für das zukünftige Zentrum in Jonage für die Herstellung von Impfstoffen investieren wird.

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Des Weiteren liegt der Fokus der Medtech Industrie auf der Digitalisierung im Gesundheitsbereich. Hier gibt es zahlreiche Startups (z.B. Yansys Medical, Dessintey, Allcare Innovation, Pulsacare) – die größte Anzahl relevanter Unternehmen sind in den Regionen Isère und Rhône vorzufinden. Biomérieux ist mit 4047 Angestellten der größte Arbeitgeber aus dem Medtech Bereich in der Region. Die Firma deckt fast 20% der regionalen Arbeitnehmer ab. Zudem konnte das Unternehmen 2020 trotz der Pandemie einen Umsatz von 1.3 Milliarden Euro verzeichnen. 

Sanofi Pasteur, spezialisiert auf Humanvakzine mit Sitz in Lyon, erzielte einen Umsatz von 2.3 Milliarden Euro (2019). Ercé Médical verlagerte im Laufe der Pandemie die Produktion nach Veyziat, um die Unabhängigkeit von der chinesischen Produktion zu beschleunigen und wichtige Güter im Inland produzieren zu können (z.B. Covid-19 Diagnosekassetten, Front Thermometer).

Ein weiterer Aspekt, der die Region ausmacht, sind diverse Maßnahmen für 2022, welche Unternehmen bei der Optimierung des Umweltschutzes unterstützen und fördern. Ziel ist es, den ökologischen, energetischen und sozialen Wandel der Unternehmen zu begleiten, um Auvergne-Rhône-Alpes und die angesiedelten Industrien zu integrieren, und somit Wachstum und wirtschaftliche Entwicklungen mit dem Schutz der Umwelt und der regionalen Natur in Einklang zu bringen.